Ist achtsames Gehen immer und überall möglich und hilfreich?

Die Antwort lautet: ja. Achtsames Gehen ist immer und überall möglich und es ist immer und überall hilfreich. Es ist beim Einkaufen hilfreich, beim Spazieren, beim Müll rausbringen, beim Hund ausführen und auf dem Weg zum Bus.

Ja, es ist sogar noch viel hilfreicher, als die meisten von euch vermuten werden.

Da gibt es dieses Gefühl: Ablehnung, Unwille, Unlust, schlechte Laune. Und dann gibt es diese sofortige und immer verfügbare Schaltung: weg von den Gedanken, hin zur Realität. Und diese Schaltung ist während des Gehens eine besonders einfache: da ist der Schritt, das Aufsetzen des Fußes auf dem Boden, das Ablösen, die Bewegung, das Gehen. Da ist die Bewegung der Beine, die An- und Abspannung der Muskeln. Da sind die Geräusche und Gerüche, die Töne und Bilder der Umgebung. Und da sind die Gedanken. Aber all das ist auf einmal nicht mehr belastend sondern nur vorhanden – und ich sehe es, beobachte das alles und bin frei.

Achtsames Gehen befreit: sofort und immer. Es ist sehr einfach und es ist sehr wahr. Unser Verstand mag diese Einfachheit nicht. Er will Probleme, will Schwierigkeiten, will „Stoff“ für seine Sucht. Aber es bleibt einfach.

It´s simple but not easy. Leider kann man das auf Deutsch nicht so schön sagen. Es ist einfach und doch schwierig. Denn es ist, wie alles, eine Sache der Übung. Nur Übung und Wiederholung lässt die Befreiung wirksam werden, denn anfangs ist noch beides da: die schlechte Laune UND der direkte Kontakt zur Realität. Die Gewohnheit unseres Geistes ist leider die, der permanenten Geschichte im Kopfradio zu lauschen und sie sehr, sehr ernst zu nehmen. Was soll da der Fußkontakt beim Gehen, das Banalste was es gibt, für eine Bedeutung haben?

Hier sollten wir insistieren, weiter machen, vertrauen, nicht ablassen. Einfach immer wieder die Aufmerksamkeit zurück führen in die Realität. Übung und Wiederholung sind entscheidend bei jedem Lernprozess des Lebens. Dies erscheint anfangs als Schwierigkeit aber es wird mit der Zeit zum großen Trumpf: wenn die Übung und Wiederholung eine neue Gewohnheit in unserem Geist geschaffen hat. Die Gewohnheit der direkten Erfahrung der Realität. Die Gewohnheit der richtigen Einordnung und Bewertung des Selbstdialogs im Kopf. Die Gewohnheit der Freiheit.

„Jeder Weg und jede Straße ist dein Gehmeditationsweg“, sagt uns Thich Nhat Hanh. Warum nicht ausprobieren, ob das wirklich möglich ist, immer und überall? Warum nicht?

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