Weil wir nichts suchen, können wir finden.

„Es ist ganz einfach: gehen Sie langsam und natürlich. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nur auf das Gehen selbst, auf den Kontakt der Füße mit den Schuhen und dem Boden, auf die Beschaffenheit des Bodens, auf die Bewegung der Beine. Betrachten Sie dies alles mit freundlicher Aufmerksamkeit. Beachten Sie auch Ihre Atembewegungen, die Sie zum Beispiel am Bauch, an der Nase oder im Hals spüren. Der Atem und Ihr Körper, die Eindrücke Ihrer Sinne und die Gefühle und Gedanken, die kommen und gehen, denen Sie jedoch nicht nachspüren, die Sie nicht festhalten und jeweils sofort wieder in die Freiheit entlassen, sobald sie auftauchen: das sind die Objekte Ihrer Aufmerksamkeit. Das ist die „Verengung“, die sofort zu einer wunderbaren „Öffnung“ und „Erweiterung“ wird, weil wir nichts aussperren, nichts abwehren, alles zulassen, obwohl wir es nicht nachverfolgen.

Sie werden sehen: obwohl wir den Kopf nicht wenden, obwohl wir nicht suchen und nichts erobern wollen, hören wir doch das Gezwitscher der Vögel als wäre es das erste Mal. Wir spüren den Wind auf der Haut wie vielleicht noch nie zuvor. Wir hören ein Insekt, das uns umschwirrt und wegfliegt, sehen die Bewegung der Äste und Blätter in den Bäumen, hören Kinder rufen und sehen das Spiel von Licht und Schatten auf dem Boden – dies alles mit unbekannter Intensität und in einem friedlichen Einklang, der wahr und authentisch ist. Dies ist das Jetzt, dies ist die Realität. Weil wir nichts suchen, können wir finden. Weil wir nichts abwehren, müssen wir nichts befürchten. Und weil wir nicht allein auf vergangene Erfahrungen zurück greifen, sondern uns im Jetzt bewegen, können wir Neues erleben. Und es wird immer wieder neu sein und bleiben!

Wir sollten also auch in unserer Geisteshaltung ein Minimum an Disziplin aufbringen: wir halten den Blick gerade nach vorn gerichtet, ohne dabei zu erstarren. Wir versuchen nicht abzuschweifen und uns umzudrehen, sobald wir etwas hören, was uns neugierig macht. Wir bleiben bei unserer Gehgeschwindigkeit und unserer gewählten Strecke für die gesamte Dauer unseres bewussten Weges. Es ist ein wunderbares Geheimnis, dass menschliche Freiheit viel mit den Grenzen zu tun hat, die wir uns selbst setzen – wenn wir dies in Freiheit und mit Freude im Herzen tun.“

Auszug aus: © Windpferd Verlag 2014: „Gehmeditation im Alltag“, von Volker Winkler.
Das Buch ist im Buchhandel erhältlich oder hier bestellbar: http://www.windpferd.de/gehmeditationen-im-alltag.html

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