WENN LEICHTIGKEIT FEHLT

„Die Praxis der achtsamen Geistesbetrachtung kann, wenn sie richtig angewendet wird, einen großen Raum der Freiheit und des Verständnisses eröffnen. Sie ist extrem hilfreich in Momenten, wenn wir meinen, kämpfen zu müssen. Wenn da dieses Gefühl des Widerstandes ist, wenn wir aus irgend einem Grund von dem, was gerade geschieht, abgekoppelt sind, wenn Leichtigkeit fehlt, wenn wir dieses Gefühl der Mühe und Anstrengung haben, einer forcierten Anstrengung, wenn wir es mit allen Mitteln versuchen aber nicht sehr erfolgreich sind. Was ist in diesen Momenten zu tun?

In diesen Momenten ist es hilfreich innezuhalten, sich zu öffnen und die ganz einfache Frage zu stellen: was geschieht gerade?

Denn sehr oft ist hier eine Erfahrung, ein Geisteszustand präsent, den wir schlicht nicht anerkennen. Vielleicht ist es nur eine gewisse Mattheit, die wir innerlich bekämpfen oder über die wir uns hinwegsetzen wollen. Oder vielleicht ist da eine abgelenkte, rastlose Energie, eine Menge von Gedanken, und wir kämpfen damit. Oder es ist der wütende Geist – und wir sind in der entsprechenden Geschichte verfangen.

In jedem dieser Fälle können wir anerkennen, was im Moment im Geist präsent ist. Man erkennt dann, wie es im Satipatthana Sutra heißt, „einen Geist voller Begierde als voller Begierde und einen Geist ohne Begierde als ohne Begierde, einen zornigen Geist als zornig und einen verblendeten Geist als verblendet, man erkennt einen zusammengezogenen Geist als zusammengezogen und einen zerstreuten Geist als zerstreut.“

Wenn wir uns öffnen und diese simple Frage stellen: „was geschieht gerade?“, wenn wir das, was geschieht, schlicht erkennen und anerkennen, es akzeptieren, was immer es ist, dann ist der Geist, in diesem Moment nicht mehr im Kampf, nicht mehr im Widerstand.

Es geht darum, durch reine Wahrnehmung zu wissen: der Geist ist so, und jetzt ist er so und dann ist er so…

Das Gefühl des Kampfes und das Wiederstandes ist dann kein Problem mehr, sondern wird zu einer sehr wertvollen Rückmeldung. Denn dieses Gefühl sagt uns dann immer nur eines: es geschieht etwas, was wir nicht akzeptieren. Denn würde wir es akzeptieren, würden wir nicht kämpfen.“

Joseph Goldstein (Satipatthana-Vorträge, Übersetzung: V. Winkler)

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