Geführte Meditation: Jeden Moment neu erleben

In der Meditation beobachten wir jeden Atemzug als vollkommen neu und einzigartig. Auch jeder Gedanke, der uns abzulenken scheint, und jede Rückkehr zur Konzentration auf den Atem ist neu und so noch nie da gewesen. Wenn wir unseren Geist in dieser Weise trainieren, lernen wir, auch außerhalb der Meditation jeden Moment als vollkommen neu und als einzigartiges Geschenk zu erleben. Die Fähigkeit zum ständigen Neubeginn ist entscheidend für unsere mentale und emotionale Freiheit.

Geführte Meditation von 25 Minuten mit einigen Minuten Einleitung. Bitte lass mich wissen, wie deine Erfahrung mit dieser Meditation ist.

„MEDITAZIONE CAMMINATA“

„MEDITAZIONE CAMMINATA“

LESUNG UND GEHMEDITATION BEI EINER MESSE IN DER NÄHE VON BRESCIA (Lombardei)

Es war ein schöner Nachmittag gestern bei der Messe „Festival del Ben-Essere“ in Chiari bei Brescia. Erst eine kurze Lesung aus der italienischen Ausgabe des Buches „Gehmeditation im Alltag“, dann gemeinsame Gehmeditation mit einer Gruppe von interessierten Geh-Meditierenden.

Drei Formen der Gehmeditation wurden praktisch vorgestellt und gemeinsam praktiziert: die langsame Vipassana-Gehmeditation, das „Kinhin“ aus der Zen-Tradition und die „3×1 Gehmeditation“ draußen im Park des Messegeländes bei bestem Wetter in der italienischen Frühlingssonne.

Dank an die Organisatoren für die Einladung und Kompliment für die interessante Messe zu allen Themen eines achtsamen Lebens.

„Gehmeditation im Alltag“, von Volker Winkler, © Windpferd Verlag 2014. Im Buchhandel erhältlich oder hier bestellbar: http://ow.ly/ZLReK

Das Universum ist wie Amazon – mit einem wichtigen Unterschied…

Das Universum ist wie Amazon – mit einem wichtigen Unterschied…

Grundsätzlich bekommen wir vom Universum bzw. vom Leben das, was wir selbst bestellt haben, auch wenn es nicht immer einfach ist, das zu verstehen oder zu akzeptieren. Wir bekommen es pünktlich und zuverlässig, schnell und einwandfrei – wie von Amazon, sozusagen.

Einen wichtigen Unterschied gibt es allerdings: von Amazon bekommen wir das, was wir wollen – doch es ist selten das, was wir wirklich brauchen.

Vom Universum, vom Leben (von Gott?) bekommen wir hingegen immer nur das, was wir jetzt und hier brauchen. Aber es ist selten das, was wir wollen.

Eine Autobahn zum Erwachen

Eine Autobahn zum Erwachen

„Unser Geist, sowohl der rein verstandesmäßige Teil als auch das, was im Buddhismus Herzgeist genannt wird, funktioniert nach Gewohnheiten.

Wenn wir etwas lernen, eine Fremdsprache, Autofahren, Klavier spielen oder die Benutzung einer neuen Computersoftware, so ist dies zunächst schwierig. Es gibt hierfür nur einen Grund: wir haben es noch nicht oft gemacht, es ist ungewohnt. Und immer wenn wir dieselben Tätigkeiten später können und beherrschen, sie ohne Mühe mit Genauigkeit und Zuverlässigkeit ausführen, dann gibt es dafür ebenfalls nur einen Grund: wir haben es so oft gemacht, dass unser Gehirn entsprechend starke und effektive Verbindungen und Übertragungswege ausgebildet hat. Wir nennen dies dann Routine.

Vereinfacht könnte man sagen: wir müssen alles, was wir wirklich tun und erlernen wollen, nur oft und regelmäßig genug tun, dann ist der Erfolg praktisch unvermeidlich. Es geht nur um zwei Dinge: Anfangen und Weitermachen.“

Auszug aus: © Windpferd Verlag 2014: “Gehmeditation im Alltag”, von Volker Winkler: Das Buch ist im Buchhandel erhältlich oder hier bestellbar: http://ow.ly/JthgF

Sitzmeditation & Gehmeditation

Sitzmeditation & Gehmeditation

„Die Sitzmediation ist für mich wie das Aufladen einer Batterie des Bewusstseins, einer Batterie, die sich anschließend im Laufe des Alltages wieder entlädt. Ich kann ziemlich genau beobachten, wie sich Aufmerksamkeit, Geduld, Freude an kleinen Dingen, Mitgefühl mit mir und den anderen, innerer Frieden und Gleichmut, die ich mit der Sitzmeditation zu Tagesbeginn in mir geschaffen und gestärkt habe, im Laufe des Tages allmählich wieder verflüchtigen.

Gehmeditation im Alltag kann helfen, diese Entladung der Batterie zu verhindern oder zu verlangsamen. Es ist als ob ich einen mobilen Akkumulator bei mir hätte, der die Gehbewegung nutzt, um die Batterie des Geistes immer wieder nachzuladen. (…)

Wenn Sie die Möglichkeit haben, Sitzmeditation zu einem regelmäßigen Bestandteil Ihres Tages zu machen, zum Beispiel jeden Morgen und jeden Abend vor dem Schlafen, und wenn es Ihnen gelingt, diese Gewohnheit mit ebenso regelmäßiger Gehmeditation bei Ihren täglichen Wegen und Gängen zu verbinden, dann werden die positiven Auswirkungen auf Ihren Geist und Ihre Lebensqualität nicht auf sich warten lassen.

Diese Kombination kann zu Ihrem Weg der Befreiung werden. Sie kann Ihnen helfen, vieles oder sogar alles von dem, was Sie an Sorgen und Problemen quält, zur Ruhe zu bringen und schließlich aufzulösen. Denken Sie nicht, Sie seien ein besonders schwieriger Fall, dem nicht gelingen wird, was anderen gelang. Dies ist fast nie der Fall und nur ein Trick unseres Verstandes, der seine Macht über uns nicht verlieren will.

Was anderen gelang, kann auch Ihnen gelingen. Aber das Wort „gelingen“ ist leicht irre führend denn es gibt eigentlich kein Ziel zu erreichen. Gehmeditation im Alltag kann uns helfen, den jetzigen Moment wahrzunehmen und zu genießen. „Enjoy it“ ist ein sehr häufig wiederholter Ratschlag von Thich Nhat Hanh. Wenn wir unser Leben bewusst wahrnehmen, wenn wir uns befreien von Hundert ungeordneten Gedankenfetzen und von der Tyrannei eines Verstandes, der unsere Welt ständig in gut und schlecht, in richtig und falsch, in wichtig und unwichtig einteilen will, dann geht es uns einfach sofort besser. Darum geht es und um nicht viel mehr.“

Auszug aus: © Windpferd Verlag 2014: “Gehmeditation im Alltag”, von Volker Winkler: Das Buch ist im Buchhandel erhältlich oder hier bestellbar: http://ow.ly/JthgF

WENN LEICHTIGKEIT FEHLT

WENN LEICHTIGKEIT FEHLT

„Die Praxis der achtsamen Geistesbetrachtung kann, wenn sie richtig angewendet wird, einen großen Raum der Freiheit und des Verständnisses eröffnen. Sie ist extrem hilfreich in Momenten, wenn wir meinen, kämpfen zu müssen. Wenn da dieses Gefühl des Widerstandes ist, wenn wir aus irgend einem Grund von dem, was gerade geschieht, abgekoppelt sind, wenn Leichtigkeit fehlt, wenn wir dieses Gefühl der Mühe und Anstrengung haben, einer forcierten Anstrengung, wenn wir es mit allen Mitteln versuchen aber nicht sehr erfolgreich sind. Was ist in diesen Momenten zu tun?

In diesen Momenten ist es hilfreich innezuhalten, sich zu öffnen und die ganz einfache Frage zu stellen: was geschieht gerade?

Denn sehr oft ist hier eine Erfahrung, ein Geisteszustand präsent, den wir schlicht nicht anerkennen. Vielleicht ist es nur eine gewisse Mattheit, die wir innerlich bekämpfen oder über die wir uns hinwegsetzen wollen. Oder vielleicht ist da eine abgelenkte, rastlose Energie, eine Menge von Gedanken, und wir kämpfen damit. Oder es ist der wütende Geist – und wir sind in der entsprechenden Geschichte verfangen.

In jedem dieser Fälle können wir anerkennen, was im Moment im Geist präsent ist. Man erkennt dann, wie es im Satipatthana Sutra heißt, „einen Geist voller Begierde als voller Begierde und einen Geist ohne Begierde als ohne Begierde, einen zornigen Geist als zornig und einen verblendeten Geist als verblendet, man erkennt einen zusammengezogenen Geist als zusammengezogen und einen zerstreuten Geist als zerstreut.“

Wenn wir uns öffnen und diese simple Frage stellen: „was geschieht gerade?“, wenn wir das, was geschieht, schlicht erkennen und anerkennen, es akzeptieren, was immer es ist, dann ist der Geist, in diesem Moment nicht mehr im Kampf, nicht mehr im Widerstand.

Es geht darum, durch reine Wahrnehmung zu wissen: der Geist ist so, und jetzt ist er so und dann ist er so…

Das Gefühl des Kampfes und das Wiederstandes ist dann kein Problem mehr, sondern wird zu einer sehr wertvollen Rückmeldung. Denn dieses Gefühl sagt uns dann immer nur eines: es geschieht etwas, was wir nicht akzeptieren. Denn würde wir es akzeptieren, würden wir nicht kämpfen.“

Joseph Goldstein (Satipatthana-Vorträge, Übersetzung: V. Winkler)

DER MATERIALISAMUS DER NICHT-ACHTSAMKEIT

DER MATERIALISAMUS DER NICHT-ACHTSAMKEIT

Der gewöhnliche, nicht meditative Geist verhält sich vollständig materialistisch. Wenn die Situation  für die speziellen individuellen Bedürfnisse eines Einzelnen mit angenehmen Gefühlen verbunden ist,  dann belohnt dieser Einzelne diese spezielle Situation, d.h. sich und die Welt, mit Anerkennung, mit Wohlwollen, mit Zustimmung und Annahme.

Wenn die Situation aber nicht angenehm sein sollte, geschieht das Gegenteil. Das heißt: wenn ich etwas bekomme – und nur dann – gebe ich auch etwas. Und wenn ich das Gegenteil von dem bekomme, was ich will, dann reagiere ich entsprechend: durch Ablehnung.

Der meditative Geist verhält sich vollständig anders. Er begibt sich in eine Situation und nimmt sie an, wie sie auch sein mag. Das gelingt sicher nicht immer – aber das ist die Übung, von Anfang an. Das Angenehme anzunehmen ist ja nicht so schwierig. Aber der meditative Geist übt sich darin, eben auch das Unangenehme anzunehmen. Damit nimmt er die Situation an sich an, damit nimmt er das Leben an, damit lebt er erst wirklich. Nur der meditative, achtsame, offene Geist lebt wirklich.  Der nicht meditative, gewöhnliche, unachtsame Geist erleidet das Leben.