Erwartungen sind der Tod des Glücks

V - Erwartungen DE 11-19

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„LIEBE OHNE LEIDEN – ERWACHTE BEZIEHUNGEN“

Die Verrücktheit des unbewussten Gedankenflusses – des Denkers in uns – ist nirgendwo so eindeutig zu erkennen wie in den vollständig realitätsfremden Erwartungen an unsere Partner. Der Denker in uns ist davon überzeugt, dass unser Lebenspartner u.a. folgendes zu leisten hat:

  • er muss mich verstehen
  • er hat Zeit für mich zu haben
  • er darf nur mich lieben
  • er hat mich zu trösten
  • er hat mir Zärtlichkeit zu geben
  • er hat mir Geschenke zu machen
  • er muss mich sexuell befriedigen
  • er muss meine unangenehmen Eigenschaften tolerieren
  • er muss mich attraktiv finden
  • er muss sich für die Dinge interessieren, die mich interessieren
  • er hat alle sonstigen Freundschaften oder Interessen der Beziehung zu mir unterzuordnen
  • er muss mir Mut machen
  • er hat mich zu unterstützen
  • er hat an mich zu glauben
  • er hat meine Freunde und Familie zu akzeptieren
  • er hat mir zu vertrauen
  • er hat an mich zu denken und hat dies in bestimmten Momenten (Geburtstage, Jahrestage) zu beweisen.

Diese Liste ist keineswegs vollständig und stellt nur einen Auszug dar. 

Der Denker ist außerdem davon überzeugt, dass es diesen Supermann oder diese Superfrau, der/die alle diese Erwartungen erfüllt, tatsächlich geben muss und dass er ihn oder sie zu finden hat. Sollte ich ihn oder sie nicht finden, so bin ich weiterhin nicht vollständig. Habe ich ihn oder sie aber gefunden, so entsteht fast immer der Anspruch, dass diese Beziehung möglichst ewig hält. Sollte dies nicht der Fall sein, so ist dies ein Scheitern. Die Beziehung ist in jedem Fall exklusiv, keine andere Person hat darin Platz. Andere Männer oder Frauen sind eine potentielle Gefahr, gegen die ich mich zu schützen habe, indem ich jede Neigung zu einem anderen Menschen in mir unterdrücke. Es besteht auch die Gefahr, dass mein Partner einen anderen Menschen attraktiv findet. Ich muss meinen Partner daher weiterhin glücklich machen, ihn aber auch kontrollieren und möglichst immer wissen, wo er ist und was er macht. 

Diese vollständig von Angst bestimmte Wahnwelt hält der unbewusste Denker in uns für eine normale Art zu lieben. Kein Wunder, dass all dies praktisch nie gelingt.

Was gelingt, ist nur der Deal, die vertragliche Vereinbarung auf der Grundlage der Aufforderung: Mach mich glücklich. Keiner macht den anderen glücklich in einer solchen angstbesetzten Beziehung aber der Deal hält und wir sind zumindest nicht einsam. Oder besser: wir sind oft sehr einsam in einer solchen Beziehung aber es besteht weiterhin die Hoffnung oder die Illusion, es nicht zu sein. Illusion ist das Schlüsselwort. Eine solche Beziehung beruht auf Illusion und Selbsttäuschung. Die Selbsttäuschung aber bietet eine wunderbare Chance, denn sie führt notwendig in die Ent-Täuschung, in die Krise und somit in den Leidensdruck, der erforderlich ist, um uns zu fragen: Was geschieht hier? Warum ist diese Art der ”Liebe” immer mit Leiden verbunden? Wie kann Liebe ohne Leiden möglich werden?

Die oben genannten Erwartungen sind Teil deines unbewussten Gedankenstroms, sie sind ein Produkt des immer wieder genannten ”Denkers” in uns. Es ist völlig unrealistisch zu glauben, du könntest diesen unbewussten Gedankenstrom schnell verändern oder gar beenden. Der Automatismus ist viel zu stark, er besteht seit deiner Geburt praktisch pausenlos. Deshalb ist es ebenso unrealistisch, die oben genannten Erwartungen an unsere Partner schnell durch eine entsprechende Entscheidung zu verändern oder zu beseitigen. Der unbewusste Gedankenstrom wird auch mit einer konsequenten Meditationspraxis (zunächst) bleiben. Die Erwartungen werden (zunächst) bleiben. Eines aber ist sofort möglich: du kannst dir den unbewussten Gedankenstrom ansehen, kannst ihm zuhören, du kannst den anderen Teil deines Bewusstseins, den Beobachter (oder Zeugen oder inneren Buddha) möglichst oft aktivieren und nutzen. Damit wird der unbewusste Gedankenstrom bewusst beobachtet. Wo das Licht der Beobachtung hinfällt, verschwindet die Dunkelheit der Unbewusstheit. Wir müssen den unbewussten Gedankenstrom nicht sofort verändern oder beseitigen, es reicht, ihn zu beobachten. Die Beobachtung leitet bereits die Verwandlung der Unbewusstheit in Richtung Bewusstheit ein. Konkret bedeutet dies, dass dir selbst mehr und mehr auffällt, welche Erwartungen du in welchen Situationen in deinem Kopf an deinen Partner richtest. Dies ist bereits ein fantastischer Schritt in eine neue Qualität des Denkens. Nach meiner Erfahrung ist hierfür allerdings ein regelmäßiges Training in der Beobachtung der eigenen Gedanken unverzichtbar und wie du bereits weißt, meine ich damit eine tägliche, formelle Meditationspraxis. Vielleicht möchtest du dieses meditative Training der Bewusstmachung des unkontrollierten Gedankenstroms unterstützen, indem du dir im Laufe des Tages immer wieder einzelne Gedanken aufschreibst, welche oft und wiederholt auftreten und demnach die wichtigsten Erwartungen darstellen, die du unbewusst erschaffst und die dem Glück in deiner Partnerschaft mehr im Wege stehen als irgend ein unerwünschtes Verhalten deines Partners es je könnte.

Egal ob du in diesem Moment in einer Partnerschaft bist oder nicht, egal ob du dich einsam, unglücklich, unzufrieden oder auch glücklich und zufrieden fühlst – deine jetzige Situation, deine Partnerschaft oder dein Alleinsein ist in jedem Fall eine wunderbare Einladung des Lebens an dich, dir die unbewussten Gedanken bewusst zu machen, die ”es in dir denkt”. Diese unbewussten Gedanken allein erschaffen dein Leiden. Du leidest nicht wegen deines Partners, wegen deiner eigenen Unzulänglichkeit, wegen der Vergangenheit, wegen deiner Eltern, wegen der bösen Welt um dich herum oder wegen irgendetwas anderem – du leidest nur und ausschließlich an deinem unbewussten Denken. 

Wir erschaffen unsere Realität mit vier Instrumenten: Unseren Gedanken, Worten, Handlungen und Emotionen.
Die Worte sind ausgesprochene Gedanken.
Die Emotionen entstehen auf der Basis unserer Gedanken.
Unsere Handlungen sind das Resultat unserer Gedanken und der daraus folgenden Emotionen.
Gedanken sind also absolut zentral für alles, was sich in uns und um uns herum manifestiert. Nichts fällt grundlos vom Himmel. Alles wird erschaffen und dein Leben wird von dir erschaffen. 

Dein Leben wird von dir mit deinen Gedanken erschaffen. Wenn du an deiner Partnerschaft oder an deiner Einsamkeit leidest, dann leidest du an den Gedanken, mit denen du diese Partnerschaft oder diese Einsamkeit täglich und in jedem Moment erschaffst und aufrecht erhältst. Mach dir diese Gedanken bewusst und alles wird sich ändern. Dies ist kein Versprechen und keine Meinung von mir, es ist die gelebte Erfahrung aller Menschen, die ihr Leiden mit Hilfe eines Geistestrainings oder einer spirituellen Praxis wie der Meditation transformieren konnten. Es ist die gelebte Erfahrung ziemlich vieler Menschen und diese Praxis existiert seit Jahrtausenden. Probiere es aus. Beginne, regelmäßig zu meditieren und lerne, deine unbewussten Gedanken zu beobachten. Dann und nur dann kannst du erleben, ob sich etwas in dir und in deiner Partnerschaft zum Besseren verändert. Glaube mir nichts. Glaube auch niemand anderem. Glaube ist Illusion, Täuschung und wird wieder nur in die Enttäuschung führen. Probiere es aus und mach deine eigene Erfahrung. Das ist das einzige, was zählt.

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